Geschichte

Die Familie Bühler stammt aus Ihringen am Kaiserstuhl in Baden im Südwesten Deutschlands. Ihre Geschichte lässt sich bis etwa 1650 zurückverfolgen. Vor dieser Zeit tobte in Europa der 30-jährige Krieg mit dem die Zerstörung zahlreicher älterer Dokumente einherging. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts waren Mitglieder der Familie Bühler in Ihringen als Gastwirte tätig.

 

Anzeige in „Weinland Baden-Württemberg“ von 1959

 

 

Der Beruf des 1763 geborenen Johann Jacob Bühler wurde mit „Wirt zum Rebstock“ und „Wirt zur Stube“ angegeben. Dies ist der erste erkennbare Bezug zum Wein. Sein 1793 geborener Sohn Johann Georg Bühler trug die Berufsbezeichnung „Stubenwirt“, wurde aber auch schon als „Gutsbesitzer“ bezeichnet. Johann Jacob Bühler verstarb im Jahr 1801 und hinterließ seinem Sohn Johann Georg Bühler diesen „Gutsbesitz“. In einer Publikation von 1959 verweist das spätere Weingut Bühler Söhne in Freiburg mit der Formulierung „Seit 1796 Familienbesitz im Ihringer Winklerberg (Kaiserstuhl)“ auf diese Tradition.

Dies ist der bisher älteste gefundene Hinweis auf die eigene Weinbautätigkeit der Familie Bühler.

Anzeige in „Mein Heimatland“ von 1927

 

Eine Anzeige vom September 1927 für „Fritz Bühler Söhne – Weinbau / Weingroßhandlung – Freiburg i. Brg.“ enthält die Aussage „Seit 1828 – Rebbesitzer im Ihringer Winkler-Berg“. Dies zeigt, dass die Familie Bühler zumindest seit 1828, also zu Lebzeiten von Johann Georg Bühler, Besitzer von Rebflächen am Kaiserstuhl gewesen war.

Wolfenweiler Batzenberg – Riesling x Sylvaner – Baden – vermutlich von 1958

Staufenberger Schloßberg – Riesling x Sylvaner – Baden – vermutlich von 1958

 

In die Zeit von Georg Friedrich Bühler fiel die Gründung des Weinguts „Fritz Bühler Söhne“ in Freiburg im Breisgau im Jahr 1850. Dies zeigen Etiketten, die vermutlich im Jahr 1958 verwendet wurden. Georg Friedrich Bühler war besagter, zumindest erster „Fritz“ Bühler. Auf diesen Etiketten ist neben „Fritz Bühler Söhne – Weingutsbesitzer, Freiburg i.B.“ die Angabe „gegr. 1850“ um das Wappen herum zu sehen. Im Unterschied zu der Bezeichnung „Rebbesitzer“ wird nunmehr die Bezeichnung „Weingutsbesitzer“ hervorgehoben.

Adressbuch der Stadt Freiburg im Breisgau für das Jahr 1904

1865 wurde Karl Friedrich Bühler als Sohn von Georg Friedrich Bühler geboren. Er war der zweite Bühler, der „Fritz“ genannt wurde. Er siedelte von Ihringen in das nahe gelegene Freiburg um und betrieb dort neben dem Ihringer Weingut zumindest ab 1904 eine Weingroßhandlung. 1914 wurden weitere Weinberge am Kaiserstühler Winklerberg erworben.

Adressbuch der Hauptstadt Freiburg im Breisgau bzw. Amtliches Einwohnerbuch der Stadt Freiburg im Breisgau – Anzeigen aus 1914

Nach dem Tod von Karl Friedrich Bühler 1914 wurde das Weingut in Ihringen sowie die Weinkellerei und die Weingroßhandlung in Freiburg über 30 Jahre von dessen Witwe weitergeführt. Amalie Bühler kam schließlich im November 1944 in einer Bombennacht gegen Ende des 2. Weltkrieges ums Leben. 

Brief von Dr. Gerhart Hauptmann an Fritz Bühler & Söhne ­ vom 28. Februar 1944

Mit Schreiben vom 28. Februar 1944 bedankte sich der Literaturnobelpreisträger Gerhart Hauptmann bei Fritz Bühler & Söhne für die Zusage, ihm „60 Flaschen Ihres Winklerberg zu übermitteln“. Er „trinke diesen badenser Naturtropfen sehr gern und er bekommt mir gut. Die Bordeauxs von heute haben nicht immer die schöne schlichte Wahrheit Ihres Weinbergs. Meine Aufenthalte in Baden-Baden haben mich hierin belehrt.“ Und abschließend vermerkt Gerhart Hauptmann in diesem Schreiben: „Dass ich sehr lange noch Wein trinken werde ist mit einundachtzig Jahren nicht durchaus anzunehmen, aber ich bitte Sie, mich gelegentlich wieder zu protegieren.“ 

Am 6. Juni 1946, also etwa 2 Jahre später, verstarb Gerhart Hauptmann in Agentendorf in Niederschlesien, von wo aus er diesen Brief schrieb. Er war ein bedeutender deutscher Dramatiker und Schriftsteller und erhielt 1912 den Nobelpreis für Literatur. Offensichtlich war er auch Liebhaber und Kenner guter Weine. Interessant ist, dass Gerhart Hauptmann sein Schreiben an „Herrn“ Bühler richtete, also offensichtlich an Dr. Herbert Bühler oder Fritz Bühler, während in diesen Jahren die Witwe Amalie Bühler die Geschäfte führte.

 Weißer Burgunder aus 1958

 Spätburgunder aus 1958

 

1942 und 1953 erweiterte Dr. Herbert Bühler den Besitz und kaufte Rebflächen zu.  Etiketten aus dem Jahr 1958 zeigen das Angebot von Wein aus eigenem Wachstum und eigener Abfüllung, also Weine von Reblagen im Besitz des Weingutes. Besonders hervorgehoben wird die Reblage am berühmten Ihringer Winklerberg. Typisch sind die Rebsorten Weißer Burgunder und Spätburgunder. Auch auf diesen Etiketten fehlt nicht der Hinweis auf die Gründung des Weinguts Fritz Bühler Söhne vor mehr als 100 Jahren im Jahr 1850.

Etiketten der Rebsorten Riesling & Sylvaner, 1958

Weitere Etiketten zeigen verschiedenste Lagen und Rebsorten, die von der Weinkellerei Fritz Bühler Söhne vertrieben wurden. Dabei handelte es sich auch um Abfüllungen von Reblagen im Eigentum Dritter.

 

Den Weinhandel stellte Dr. Herbert Bühler im Jahr 1962 ein. Im Jahr 1967 verpachtete er schließlich die eigene Bewirtschaftung und Nutzung der Rebflächen an die Winzergenossenschaft Ihringen. Im Jahr 1979 verkauften er und seine Ehefrau Elsa das Weingut in Ihringen, den Weinberg in Staufen und das Anwesen in Freiburg an seinen Neffen Dr. Wolfgang Bühler, der den Pachtvertrag mit der Winzergenossenschaft fortführte.

Chardonnay aus dem Jahr 2014

Im Jahr 2014 wurden die bei der Familie Bühler verbliebenen Rebflächen in Ihringen an das Weingut Freiherr von Gleichenstein verpachtet. Mit diesem Pachtvertrag wurde die Bewirtschaftung der Weinberge der Familie Bühler am Ihringer Kaiserstuhl durch ein alteingesessenes und hoch reputiertes Weingut auf viele Jahre gesichert. Die Wertschätzung dieser Pachtgelegenheit kann einem Beitrag in der Badischen Zeitung vom 2. November 2015 entnommen werden. Dort wird der Weingutsbesitzer Johannes von Gleichenstein mit den Worten „so eine Chance kommt nicht jeden Tag“ zitiert. Die Etiketten tragen seitdem die Aufschrift „Freiherr von Gleichenstein – Ihringer Winklerberg“ mit dem Zusatz „Die Trauben für diesen Wein stammen aus dem Weinberg der Familie Dr. Wolfgang Bühler“.

Im Jahr 2017 entschied sich Dr. Wolfgang Bühler dazu, auf Mallorca, wo er inzwischen ein Ferienhaus besaß, ein neues Weingut aufzubauen, das sein Sohn Dr. Thomas Bühler im Jahr 2019 übernahm. Mit Son Amaret betreibt die Familie Bühler heute rund 8ha Rebfläche, die im Jahr 2021 um weitere 3ha erweitert werden. Im Jahr 2021, also genau 225 Jahre nach den ersten Hinweisen auf eine Weinbautätigkeit der Familie Bühler im Jahr 1796, kommt der erste Wein von Son Amaret auf den Markt.

Heute bietet Son Amaret mehrere Weißweine, einen Rosé und einen Rotwein aus mallorquinischem Anbau an. Der Vertrieb findet aktuell weitgehend auf der Mittelmeerinsel statt.